Spur 0 „Haus Seeweg 17“

Die Spur 0 ist doppelt so groß wie H0. Ich habe mich dazu entschieden, in diesem Maßstab (1:43 – 1:45) ein Modellhaus zu bauen. Es trägt den Namen „Haus Seeweg 17“ und soll in norddeutscher Küstennähe beheimatet sein. Vorteilhaft ist, dass dieser Maßstab auch für ältere Modellbauer recht ansprechend und nicht zu klein ist. So sieht es fertig aus:

Grundsätzlich möchte ich das Haus vornehmlich aus Styrodur fertigen. Das Material lässt sich sehr gut verarbeiten. Im ersten Schritt geht es darum, die Seitenwände zu erstellen. Die eigentlichen Feinarbeiten kommen später.

Zunächst habe ich die Hausseiten auf ein Blatt Papier gezeichnet. Professioneller geht es jedoch mit FreeCAD.

Beispielhaft habe ich die Frontseite mit Fenstern, Kellerfenstern, einer Eingangstür mit Stufe konstruiert. Hierfür habe ich den Scetcher von FreeCAD verwendet. Danach wurden die entsprechenden Zeichnungen automatisch vom Modul TechDraw generiert, als PDF exportiert und im Maßstab 1:1 ausgedruckt.

Die übrigen Seiten sind selbsterklärend.

Die einzelnen Vorlagen werden nun auf 1 cm dickes Styrodur gelegt und mit einem stumpfen Bleistift und etwas Druck übertragen. Ebenso kann man die Blätter auch direkt auf die Styrodurplatte legen, mit Tesa-Film fixieren und mit einem Cutter ausschneiden.

Jetzt kommen die Hausseiten mit dem Giebel an die Reihe.

Jetzt geht es um die Struktur der Hauswände. Ich habe mich für ein realistisches Ziegelsteinmuster entschieden. Hierfür verwende ich eine Strukturrolle, die ich mir von meinem 3D-Drucker gedruckt habe.

Damit lassen sich auch die Seiten meiner Hauswand prägen.

So sieht die Hausfront mit ausgeschnittenen Fenstern und Tür aus:

Hier sieht man die Rückseite meiner Hausfront. Für die Fenster habe ich Klarsichtfolie verwendet, die man großzügig über die Rahmen der Fenster kleben kann. Die weiße Masse um die Fenster- und Türrahmen besteht aus sogenanntem Primer. Damit lassen sich mögliche Lücken zwischen Rahmen und Hauswand füllen. So kann später bei einer Beleuchtung das Licht nicht zwischen den Spalten hindurchscheinen. Für die Fenster habe ich aus Bastel-Streichhölzern Fensterrahmen gefertigt und mit Holzleim zusammengeklebt.

Die Rahmen habe ich weiß gestrichen. Wer möchte, kann jetzt schon die Fensterscheibe mit einfacher Klarsichtfolie von hinten ankleben.

Die Haustür habe ich ebenfalls mit Bastel-Streichhölzern gefertigt. Die Türklinke besteht aus einer L-formig gebogenen Büroklammer, die auf die entsprechende Länge gekürzt wurde.

Nachfolgend noch ein Bild einer der Gibelseiten des Hauses.

Tipps zum Bemalen: Zuerst habe ich die Hausseiten nach der Prägung mit einem Gemisch aus Holzleim, etwas Wasser und weißer Acrylfarbe bemalt. Dadurch erscheinen die Seiten zunächst vollständig weiß. Man kann auch etwas Braun hinzufügen, damit die Fugen dunkler werden. Nachdem alles trocken ist, habe ich mit einem Gemisch aus Rot und Braun die Farbe für die Ziegelsteine hergestellt. Mit einem trockenen Borstenpinsel nimmt man nur wenig Farbe auf und wischt den Pinsel weitgehend trocken. Danach bürstet man diagonal zu den Fugen die Farbe auf die Hauswände. Interessant ist, dass bei dieser Methode nur die Steinoberseite ihre rotbraune Farbe erhält; die Fugen bleiben weitgehend unberührt. Zusätzlich kann man an einigen Stellen mit Braun und Wasser die Hausseiten individuell „verschmutzen“.

Hier sieht man die fertige Hausfront:

Für die Lampen habe ich fertige Modellbahnleuchten im Maßstab 1:50 verwendet. Diese gibt es sehr günstig im Internet. Von den Lampen habe ich den Mast und den Fuß abgezogen. Eine dickere Büroklammer wurde L-förmig gebogen und gekürzt. Sie dient als Lampenhalterung, die man später mitsamt den Anschlussdrähten durch die Hauswand führt (vorher ein dünnes Loch bohren). Die Halterung wird mit UHU (ohne Lösungsmittel) in der Hauswand verklebt.

An einer Hausseite habe ich den Giebel mit Holz (Streichhölzer) verkleidet.

Für die obere Lage habe ich eine Lattung aus Streichhölzern untergelegt und verklebt.

Die Überstände wurden nach dem Trocknen mit einer Bastelkneifzange abgeknipst. Mit wasserverdünnter, brauner Acrylfarbe wird der Holzgiebel eingefärbt.

Nachdem alle Hausseiten fertig sind, werden sie an den Seiten zusammengeklebt und mit Stecknadeln zusätzlich vorübergehend fixiert.

Der Rohbau steht: Innen sieht man die Fensterfolien, die ich zusätzlich noch mit Stoffresten als Gardinen versehen habe.

Nun folgt das Dach. Hierzu habe ich schmale Styrodurplatten in 0,5 mm Stärke mit einer Dachziegel-Texturrolle bearbeitet. Auf dem Bild sieht man die angemalte Dachoberfläche.

Da Styrodur mit 5-mm-Stärke nach dem Prägen sich leicht wellt, musste ich unter jede Dachhälfte noch dünne Balsaholzleisten zur Verstärkung verkleben. Dadurch blieben die Dachhälften absolut gerade. Für die Dachfirst wurde ein schmaler Styrodurstreifen verwendet, der ebenfalls nochmals mit der Texturrolle geprägt wurde. Anschließend habe ich einen dickeren Styrodurblock als Schornschein verwendet.

Es fehlt noch eine Dachrinne. Diese habe ich aus Staniolpapier gefertigt. Dazu wurde auf die Länge der Dachseite das Staniolpapier mehrfach gefaltet, sodass es Stabilität erhält.

Mit einem Schaschlik-Spieß wurde in das Staniol die Rundung gewickelt. Anschließend wurde die Dachrinne mit Primer und Holzleim eingestrichen und erhält somit noch zusätzliche Stabilität. Später wird die Dachrinne noch passende mit Acrylfarbe angemalt.

Neben der Dachrinne dürfen Fallrohre nicht fehlen. Hier habe ich eine 3 mm dicke Messingstange auf die richtige Länge geschnitten und oberhalb gebogen, damit diese zur Dachrinne passt. Anschließend wurden diese mit Primer und Acrylfarbe eingefärbt.

Nachdem ich die Dachrinne unter die Dachkanten und die Fallrohre an der Hausecke geklebt habe, war das Haus weitgehend fertig. Es wurde letztlich auf eine dünne Sperrholzplatte gesetzt, welche zunächst an den Rändern eingefärbt und mit Grasstreu versehen wurde.

Abschließend folgten noch einige Accessoires zur Ausschmückung:

  • Stufen aus dünnen Styrodurstreifen (eingefärbt)
  • Briefkasten aus Styrodur (bemalt) und mit Briefumschlag versehen
  • 3D-gedruckte Figuren im Maßstab 1:45
  • zwei 3D-gedruckte Katzen
  • zwei 3D-gedruckte Vögel
  • ein Mini-Tontopf mit Pflanzen
  • eine auf Papier gedruckte Hausnummer
  • grau gefärbte Watte als Rauch
  • Blumen für die Fensterbänke
  • Pflanzen für die Hauswand
  • ein kleiner Busch für die Rückseite

Nachfolgend einige Impressionen: